Wildtierverluste mindern

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Mahd

Große Arbeitsbreiten und hohe Fahrgeschwindigkeit bei der Mahd verschärfen das Problem der Wildtierverluste.

EMSLAND. Die Landesjägerschaft Niedersachsen nimmt sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig dem Thema „Wildtierverluste bei der Frühjahrsernte“ an. Der Beweggrund ist laut dem Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) Josef Schröer aus Lingen, der immer noch bestehende Grundkonflikt – dass sich das Zusammenfallen von Ernteterminen im Grünland und Nachwuchs bei den heimischen Wildtieren – nicht lösen lässt.

Unser Ziel muss es daher sein, möglichst effektive Methoden zu entwickeln, um die Tiere aus den Flächen zu bekommen, so Schöer. Zwei Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit verschärfen diesen Grundkonflikt noch: Die stetig zunehmende Zweikulturennutzung, beispielsweise in der Abfolge Grünroggen und Mais für die Biogasproduktion, und die hochtechnisierten Mähmethoden. Die speziellen Grünroggensorten für die Produktion von Gärsubstrat bieten im Frühjahr aufgrund ihres schnellen Wuchses Nahrung und Deckung zugleich und sind somit ein atraktiver Lebensraum gerade zur Aufzucht der Jungtiere. Diese Flächen wirken wie ein Magnet in der zu diesem Zeitpunkt noch kargen übrigen Feldflur. Bei Mähbreiten von teilweise mehr als 10 m und Mähgeschwindigkeiten von bis zu 15 km/h haben junge und adulte Tiere jedoch häufig keine Chance dem Mähtod zu entkommen. Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang das steigende Botulismus-Risiko in Rindviehbetrieben. Denn Hauptursache dieser Erkrankung ist durch Kadaver verunreinigte Silage. Hohe finanzielle Schäden für die Landwirte sind die Folge. Das Pilotprojekt der Landesjägerschaft Niedersachsen verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele: Einen Erkenntnisgewinn über die Habitatqualität des Grünroggens sowie zuverlässige Aussagen über effektive Vergrämungsmethoden in deckungsreichen Kulturpflanzen, die vermutlich auf Ackergrasflächen und Grünland übertragbar sind.

Im Rahmen eines Pilotprojektes im Landkreis Emsland wurde die Frühjahrsernte von Grünroggen zur Biogasproduktion an drei Orten wissenschaftlich begleitet.

Sechs Versuchsflächen mit einer Gesamtgröße von gut 50 ha. Als erstes wurde der Ausgangstierbestand in den Feldern ermittelt. Damit haben wir ein Umweltbüro beauftragt, das im Vorfeld durch Sichtbeobachtungen einen ungefähren Überblick über Art und Anzahl der wildlebenden Tiere geben konnte, so Schröer. Am Tag vor der Mahd haben wir auf den Flächen verschiedene Vergrämungsmaßnahmen installiert. Ungefähr eine Stunde vor dem Mähen wurde das Material aus dem Schlag entfernt.

Ob Flatterband, Knistertüte oder Hund – im Rahmen eines Pilotprojektes werden im Emsland verschiedene Vergrämungsmaßnahmen im Grünroggen getestet.

Als Vergrämungsmethoden wurden im Rahmen des Pilotprojektes Duschradios, Knistertüten und Flatterbänder eingesetzt. Der Mähvorgang selbst wurde die über die gesamte Zeit über wissenschaftlich begleitet. Ein Mitarbeiter des Umweltbüros war beim Mähen anwesend, und mehrere Jagdkollegen standen abseits der Felder, um eventuell flüchtendes Wild zu erfassen. Beim Anlegen der Vorgewende wurde ein Saumbereich von etwa der doppelten Mähbreite stehen gelassen und erst am Ende geschnitten. Dies gab uns die Chance, diese Saumbereiche, in denen sich das Wild traditionell gerne aufhält, mit einem Hund abzusuchen. Der eigentliche Mähvorgang erfolgte von Innen nach Außen.

Für eine abschließende Bewertung ist es noch zu früh, aber Wildvergrämung ist auch in Grünroggenflächen möglich. Was sich herauskristallisiert ist, wie wichtig das richtige Mähverfahren ist: Von innen nach außen Mähen, diese einfache Regel, die nachgewiesenermaßen weder zeit- noch kostenintensiver ist, muss einfach beherzigt und umgesetzt werden, so Schröer. In der Verbindung mit Saumbereichen, die erst am Ende gemäht werden, lässt sich so schon viel erreichen. Bei den Vergrämungsmethoden konnten wir beobachten, dass Knistertüten und Flatterbänder einen guten und dazu noch kostengünstigen Erfolg versprechen. Wildtiere mieden die so vergrämten Flächen und wurden auf benachbarten Schlägen beobachtet. Hasen und Fasane waren durch die Vergrämung so verschreckt, wahrscheinlich auch durch das Einbringen und wieder Herausholen, dass sie bereits beim Anrücken des Mähers die Flächen verließen. Allerdings konnten wir kaum Gelege finden und damit retten. Weitere Versuche werden zeigen, inwieweit sich diese Aussagen verallgemeinern lassen.

Insgesamt nahmen drei Betriebe mit jeweils mehreren Versuchsflächen an dem Pilotprojekt teil. Nach dem Auftakt im Altkreis Lingen wurden weitere Versuche im Altkreis Meppen (Landegge) und im Altkreis Aschendorf-Hümmling (Neulehe) durchgeführt. Die Versuchsfläche beträgt insgesamt gut 80 ha.

Die Erstellung des Abschlussberichtes über die Versuche, so Schröer, wird in Kürze vorliegen. Dann werden wir hoffentlich in der Lage sein, konkrete Handlungsempfehlungen geben zu können. Die vielerorts traditionell gute Zusammenarbeit von Jägern und Landwirten bei der Frühjahrs- und Sommerernte ließe sich dann möglicherweise noch effektiver gestalten.

Mit einer bereits durchgeführten Literaturstudie wurde das Institut für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover beauftragt. Ziel ist in erster Linie, eine wissenschaftliche Grundlage für die Konzipierung möglicher weiterer Projekte zu erstellen. Konkret soll geklärt werden, inwiefern bereits auf nationaler und internationaler Ebene Untersuchungen stattgefunden haben, wie sich Wildtierverluste bei der Frühjahrsernte vermeiden lassen.

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